Rückblick: Rennrad-Outfit vom Discounter

Rennradfahrer in einfacher Radsport-Kleidung auf einfachem Rennrad

Die retromäßigen Turnschuhe springen sofort ins Auge. Die stehen auf  einfachen Pedalen(!) - mein Rennrad-Anfang 2005. Bloß keine Klickies! Nach Jahrzehnten "normalem" Radfahren kam Festklicken auf dem Rad nicht in Frage. Nur die Hose dürfte auch für die Rennrad-Styling-Polizei in Ordnung sein, die im Lauf der Jahre immer strenger geworden ist.

Aber wenn der Blick weiter nach oben geht - au weia. Da stoßen wir dann gleich auf das weltberühmte Shirt der Marke "racer" mit kleinem "r" am Anfang und gewagter Farb-Kombination aus dunklem Blau und grellem Grün.

Das gab es 2004 oder 2005 bei Aldi-Süd zu kaufen, für 9,95. Wenn ich zu der Zeit Fahrrad fuhr, war ich noch mit dem Trekkingrad unterwegs. Aufgetragen habe ich das Shirt dann auf dem Rennrad, ebenso wie das 12,95-Shirt von Tchibo, das immerhin eine Reißverschluss-Tasche hatte.

Rennrad fahren im Discounter-Shirt - na und?

So kann man auch losfahren, jedenfalls wenn man völlig unverdorben ist und einfach nur Rennrad fahren will, ohne sich irgendwelche Gedanken darüber zu machen, was denn nun gerade angesagt ist. Facebook- oder sonstige Gruppen, in denen aktuelle Trends diskutiert worden wären,  gab es damals kaum.

Nur die bunten Rennrad-Zeitschriften, von manch einem scherzhaft als "Rennrad-Bravo" bezeichnet, versuchten zu vermitteln, was gerade angesagt sei bzw. was die Hersteller als neuen Trend, als neues Musthave, zu Geld machen wollten. Ein paar Web-Blogs bzw. "Portale", wie man das damals nannte, gab es auch schon.

Alles in allem war das (noch!) eine sehr friedliche Zeit für Rennrad-Einsteiger, das Ganze war nicht so überdreht, wie es heute zumindest von einem Teil der Community gesehen und gelebt wird. Wer einfach nur Rennrad fahren wollte, fuhr halt einfach nur Rennrad.

Helm mit Schirm und Rücklicht

Das sieht man auch an dem Helm, den ich trage. Es ist ein KED-Helm mit Schirmchen, welches auf dem kleinen Bild links gut zu erkennen ist. Der absolute Clou an diesem Helm, ebenfalls aus meiner Trekkingrad-Zeit, war das fest montierte Rücklicht. Gelegentlich tuschelten wohl irgendwelche Radler-Kollegen hinter meinem Rücken über den Helm - übrigens deshalb hinter meinem Rücken, weil ich sie gerade in meinem Aldi-Shirt auf ihren perfekten Rennern und in ihrer perfekten Team-Telekom-Kleidung überholt hatte (Team Telekom - die Älteren werden sich erinnern...).

Aber das Fahrrad! Mein erstes Rennrad! Voll-Alu, inklusive Gabel. Hammerhart, das Gerät, ein Trek 1200. Carbon kam gerade erst auf. Lance A. fuhr damals auch Trek mit seiner Post-Mannschaft. Ich nahm keine leistungssteigernden Substanzen.

Ich glaubte an die Wirkung der Fitness-Riegel, die es genau dort zu kaufen gab (bzw. gibt), wo ich jenes blau-grellgrüne Shirt erworben hatte, und auch sonst an gesunde Ernährung (Kohlehydrate, Eiweiß - Ihr wisst schon...). Und so kam ich mit diesem schweren Alu-Rad (gut neun Kilo) auch dann eher gut zurecht, wenn es den Berg hoch ging.

Zwei Riesen-Kettenblätter und 10.000 KM im ersten Jahr

Dabei hatte das Rad zwei riesengroße Kettenblätter. Bergauf fuhr man eigentlich immer in einem dicken Gang, auch bei zweistelligen Steigungsraten, weil es keinen wirklich kleinen Gang gab. Kompaktkurbel-Garnituren waren gerade erst im Kommen, und drei Kettenblätter etwas für alte Leute oder für Frauen - behaupteten jedenfalls viele Kaltduscher.

Wie auch immer - ich Anfänger fuhr die Übersetzung der Profis, mit Turnschuhen, im Aldi-Shirt und mit Schirmchen und Lampe am Helm. Und 10.000 Kilometer im ersten Rennrad-Jahr. Spaß pur für mich.

Was mir irgendwer gerade verkaufen will? - Egal. Praktisch und zweckmäßig muss es sein. Wenn es dann auch noch gut aussieht - umso besser.

Ich will doch nur Fahrrad fahren. Rennrad.

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