Wann wir trotzdem nicht radfahren

Rennradfahren im Winter - hier Labecker Straße nahe Sonsbeck

An anderer Stelle schreiben wir, dass wir auch im Winter Rad fahren. Winter ist bei uns, Kreis Kleve, Niederrhein, normalerweise Kälte, Nässe, Nebel - und kein Schnee, wie er sich jetzt an den Rändern der Straßen türmt. Die Radwege sind aktuell unbenutzbar, die werden hier eh als letztes geräumt.

Unter den Umständen fahren wir nicht Rad. Und so habe ich Zeit für eine kleine Geschichte, die mir gerade einfällt. Sie hat sich vor ein paar Jahren ereignet. Es war an einem Sonntag im Januar, Temperatur bei ca. drei Grad plus, kein Regen, wenig Wind, passable Bedingungen - und eine Wettervorhersage, die nichts Übles erwarten ließ, schon gar keinen Niederschlag.

Somit gab es keinen Grund, aufs Radfahren zu verzichten. Wir wohnten damals in Düren, den Nordrand der Eifel quasi vor der Haustür. Ich fuhr optimistisch los - einer meiner Sommer-Berge stand auf dem Programm.

Der Regen wird kälter.

Das Wetter hielt sich zunächst. Aber schon nach einer guten Dreiviertelstunde kamen Wolken auf, und es zog sich rasend schnell zu. Bald fing es kräftig an zu regnen. Ich war erst gut 20 Kilometer von insgesamt 60 gefahren. Es ging kontinuierlich bergauf.

Je höher ich auf dieser Sonntags-Tour kam, desto kälter fühlten sich die Tropfen an. Die Kälte kroch in meiner Jacke hoch. Meine Hände wurden klamm. Jetzt hätte ich dickere Handschuhe brauchen können.

Irgendwann mischten sich die ersten Schneeflocken unter die Regentropfen, je mehr die Strecke bergauf führte, desto mehr.

Bald nur noch Schnee ...

Bald schneite es nur noch. Es war der zweite Winter meiner späten Rennrad-Karriere. Ein Crossrad hatte ich noch nicht, Gravelbikes waren noch gar nicht erfunden. Und mein altes Trekkingrad hatte ich verschenkt. Ich war also mit dem Rennrad unterwegs - auf den damals üblichen dünnen, profillosen 23er Reifen.

Oben auf der Bergkuppe lag glitschiger Schneematsch. Die neuesten Flocken machten sich ans Werk, eine richtige Schneedecke zu bilden. Die Fahrbahn war rutschig und gefährlich. Knapp 300 Meter Höhenunterschied hatten mich in eine komplett andere Wetterlage geführt - zeitweilig eine echte Gefahrenlage. Irgendwann erreichte ich endlich den höchsten Punkt der Strecke. Auf dünnen Reifen eierte ich durch den schweren Schnee.

... dann wieder Regen

Nun führte die Strecke bergab. Normalerweise wurde man hier sehr schnell. Jetzt fuhr ich gebremst hinunter. Glücklicherweise gab es nur wenige, eher sanfte Kurven. Auch war auf der schmalen Nebenstraße nicht viel Betrieb. Es waren kaum Autos unterwegs, und andere Radfahrer sah ich auch nicht.

Ich entspannte mich schließlich etwas, als ich wahrnahm, dass aus Schnee Matsch und aus Matsch wieder Nässe wurde. Der Schnee ging in Regen über. Bald hörte es auf zu regnen. Die Sonne kam heraus, und ich fuhr auf nasser Fahrbahn nach Hause, wo das Thermometer jetzt fünf Grad zeigte.

Ich hatte wieder etwas hinzu gelernt: Auch bei unproblematischem Wetter in der Ebene muss man weiter oben durchaus schon mal mit winterlichen Bedingungen rechnen.

 

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