Radfahren auf Mallorca

Rennrad Mallorca Marktplatz Petra mit Rennradfahrern

Mallorca ist für viele Rennradfahrer DAS Urlaubsziel im Frühjahr. Während es zuhause noch zu kalt oder nass ist, lässt es sich auf der Insel schon schön trainieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man seine Rennrad-Ausfahrten dort bei Sonne und angenehmen Temperaturen absolvieren kann.

"Kurz - kurz" ist aber nicht unbedingt als Regelfall anzunehmen, wenn man gegen Ende des Winters bzw. im zeitigen Frühjahr auf Mallorca unterwegs ist. Auch Kleidung für kühlere Tage, etwa Armlinge, Knielinge, Weste etc. mitzunehmen, ist nach unserer Erfahrung äußerst ratsam. (Für weniger Eingeweihte: Mit "kurz - kurz" meinen Radsportler die schönste aller Kleidungsvarianten, nämlich kurze Hose zusammen mit kurzem Trikot, die vor allem deswegen die schönste ist, weil sie nur dann infragekommt, wenn auch das Wetter passt. ) Aber keine Sorge: Man kann tatsächlich auch Tage erwischen, an denen man sich auf dem Rennrad in "kurz - kurz" am wohlsten fühlt.

Vorsicht und Rücksicht

Mallorca,
 Landschaft mit Rennrad

Im großen und ganzen lässt es sich auf der Insel sehr angenehm und entspannt radeln. Wer nicht nur möglichst schnell möglichst viele Kilometer bolzen will, kann sich dabei auch auf die Schönheiten der Insel einlassen. Oft haben wir das Gefühl, wir fahren durch einen riesigen Garten, in dem extra für uns zahlreiche Straßen und Sträßchen angelegt wurden.

In Wirklichkeit teilen wir sie natürlich mit Einheimischen und Mietwagen-Touristen, mit letzteren vor allem in der eigentlichen Tourismus-Saison. Mit entsprechender Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme lässt es sich aber wie überall vergleichsweise entspannt fahren. Die meisten, die auf der Insel leben, wissen, dass die vielen Radfahrer inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind und stellen sich darauf ein. Und ich stelle mich natürlich auch auf die Autofahrer ein. Ich bin im Training, nicht im Rennen.

"Kritische Masse"

Auto fahrende Touristen können hier mitunter erleben, dass die Macht der Masse von Radfahrern jeden Gedanken an irgendwelche Vorrechte des Stärkeren im Auto im Keim erstickt - aus Radfahrersicht ein durchaus erhabenes Gefühl, weil man so etwas sonst kaum kennt.

Wo möglich, meiden wir bei unseren Ausfahrten große, verkehrsreiche Straßen. Es gibt, wie oben angedeutet, wirklich sehr schöne Strecken auf kleineren Straßen mit wenig bis sehr wenig Verkehr. Manchmal jedoch lassen sich Lückenschlüsse auf stärker befahrenen Straßen leider auch auf Mallorca nicht vermeiden. Dafür ist der Rest oft umso schöner zu fahren.

Glücklicherweise haben wir die Möglichkeit, außerhalb der eigentlichen Tourismus-Saison zu reisen, wenn auf Mallorca weniger Autos unterwegs sind.

Auch Radsport-Profis trainieren auf Mallorca.

Während uns im Zentrum der Insel sowie weiter süd-/südöstlich zumeist flaches bis welliges Terrain (jedoch mit einzelnen "richtigen" Bergen zum Üben) erwartet, haben wir es im Norden und im Westen mit vielerorts quasi-alpinen Verhältnissen zu tun, inklusive langer, teils auch anspruchsvoller Anstiege und schöner Serpentinen, auch wenn die höchsten Berge nicht die Höhe der Alpen erreichen.

Es ist ganz sicher kein Zufall, dass viele Profi-Teams, die später in der Saison u. a. die Berge der großen Etappenrennen bewältigen müssen, ihre Saison-Vorbereitung auf Mallorca absolvieren.

Für uns gilt: Rennrad lieber mieten statt eigenes Rennrad mitnehmen

Natürlich kann man das eigene Rad mit auf die Insel nehmen, wenn man das unbedingt will, aber wir haben für uns festgestellt, dass wir am besten zurechtkommen, wenn wir unsere Rennräder vor Ort mieten. Meistens reisen wir zu zweit auf die Insel. Die eigenen Räder mitzunehmen, wäre mühsam und auch nicht ganz billig.

Wir müssten zwei Rennradkoffer kaufen, die Rennräder für die Reise transportfertig demontieren und einpacken, die Radkoffer zum Flughafen schaffen, den Radtransport bei der Airline für die beiden Rennräder hinzubuchen und bezahlen, ebenso den Transfer für die Radkoffer vom Flughafen in Palma zum Hotel. Und schließlich müssten wir  die Räder an unserem Urlaubsort wieder auspacken und gebrauchsfertig zusammenbauen.

Das alles finden wir allein schon gedanklich ziemlich nervig und aufwendig, so aufwendig, dass wir die Räder eben doch lieber vor Ort ausleihen. Ob es am Ende preisgünstiger wäre, die eigenen Räder mitzunehmen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber ich bezweifle es. Stressiger wäre es auf jeden Fall.

Rennradreise über Radreiseveranstalter oder unabhängig buchen

Da Mallorca bei Rennradfahrern so beliebt ist, gibt es bei den einschlägigen Radreise-Veranstaltern und auch bei vielen der örtlichen Anbieter oft passable bis gute oder auch sehr gute Rennräder zu mieten. Bei den Veranstaltern kann man den Radurlaub oft gleich inklusive Leihrad buchen. Bei den Preisangaben ist mitunter zu berücksichtigen, dass der Flug noch nicht eingeschlossen ist und hinzugebucht werden muss. Die Veranstalter haben ihren Standort oft in einem der großen Hotels am jeweiligen Ort, in dem sie dann auch ihre Gäste unterbringen.

Oder man bucht unabhängig eine Pauschalreise oder auch Flug, Hotel und Transfers individuell und mietet das Rennrad selbst. Diese Variante praktizieren wir seit Jahren, und sie funktioniert ziemlich gut. Wir mieten uns bevorzugt in Hotels ein, in denen es einen Radreise-Veranstalter mit Rennrad-Verleih gibt. Dieser verfügt meist auch über eine eigene Fahrrad-Werkstatt. Probleme mit dem gemieteten Rennrad lassen sich so im Allgemeinen problemlos beheben. In gravierenden Fällen wurde uns ein defektes Leihrad kurzerhand und kulant gegen ein intaktes getauscht.

Neben der eigentlichen Radmiete ist zumindest bei den Verleihern in den Hotels oft eine so genannte Servicepauschale zu entrichten, mit der u. a. auch Verpflegung für die tägliche Radausfahrt, eine Trinkflasche und aktuelles Kartenmaterial abgedeckt sind sowie eine sichere Aufbewahrungs-Möglichkeit für die Rennräder. Wer nur ein Rennrad mietet und den restlichen Service nicht braucht, zahlt je nach Anbieter u. U. nur für den Platz im Radkeller.

Dass wir unsere Reisen auf eigene Faust gebucht haben, war, was Radleihe und Service betrifft, noch nie ein Problem. Es ist empfehlenswert, die Leihräder vorab zu reservieren, insbesondere in der Radsport-Hauptsaison.

Rennrad-Massentourismus

Zum absoluten Hotspot für Rennradfahrer auf der Insel hat sich Playa de Muro nahe Alcudia im Norden Mallorcas entwickelt. Wer Umtrieb mag, Gruppenausfahrten in allen möglichen Stärken sucht und gern viele Radsportler um sich weiß, ist hier während der Saison ab Mitte, Ende März bis Ende April bestens aufgehoben - und für unser Empfinden Teil eines wahrhaft massentouristischen Phänomens.

Relativ zentral im Landesinnern der Insel gibt es einen Ort namens Petra. Hier kommen viele Radrouten aus allen Winkeln der Insel zusammen. Ich vermute mal, die Gastronomen hier machen in der Radsport-Saison ihr Geschäft und nicht im Sommer.

Denn das Ortsinnere von Petra ist um die Mittagszeit ein buntes Meer aus Radtrikots, und man fragt sich, wo die Radfahrer alle herkommen. Auch hier sind wir Massentouristen, wenn wir uns - ein freies Plätzchen in einem der Bistros vorausgesetzt - auf ein Stück Tarta de Almendra und einen Cafe Solo oder einen Americano niederlassen.

Alternative für Bergfreunde: Peguera

Wir kommen glücklicherweise in ruhigere Gefilde, wenn wir zu unserer Unterkunft zurückfahren. Denn längst haben wir für unsere Mallorca-Aufenthalte Orte gefunden, die besser zu uns passen als das radsportlich doch arg große Playa de Muro.

Einer dieser Orte ist Peguera, in dem es insgesamt ruhiger ist. Von hier aus kommt man rasch in die Tramuntana, das Gebirge im Westen der Insel. Wer Grundlagentraining im Flachen bevorzugt, wird sich eher nicht hierher verirren. Denn schöne Flachstrecken, finden wir, sind hier eher Mangelware.

Und der radsportliche Umtrieb hält sich eher in Grenzen. Dafür kommt man nach bergiger Anfahrt schon nach gut 35 oder 40 KM und einige räftezehrenden Anstiegen mit 900 oder auch 1.000 Höhenmetern auf die unvergleichlich schönen Küstenstraße hoch über dem Meer. Muss man gesehen haben!

Der zweite Ort, den wir gelegentlich für unsere Rennradreisen buchen, ist El Arenal. Das ist, wie wir finden, ein schönes Ziel für den Winter. In der Zeit ist der Ballermann mangels Touristenmassen kein Ballermann. Die Temperaturen liegen in der Zeit tagsüber meist irgendwo zwischen 12 und 17 Grad, natürlich mit Schwankungen nach oben und unten. Auch muss einmal mehr mit Regen gerechnet werden. Dafür steht die Sonne deutlich höher am Himmel als zu Hause, und Sonnentage sind natürlich keine exotische Ausnahme.

Schön ist es, nach der Ausfahrt wieder in El Arenal anzukommen. Falls bis zum Einbruch der Dunkelheit noch etwas Zeit bleibt, setzen wir uns gern auf das Mäuerchen an dem wunderschönen, breiten, im Dezember fast menschenleeren Sandstrand, sehen hinaus aufs Meer und lassen die Seele baumeln.

Das ist dann der ideale Einstieg in die Regeneration.

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Radreviere in Deutschland:

Rennrad am Baum lehnend

Die Landschaft ist zumeist flach. Bei entsprechender Planung sind am Niederrhein aber auch hügelige Touren mit dem Fahrrad möglich. Oft ist der Wind die Extra-Herausforderung bei der Radtour. Wir sind meistens mit dem Rennrad oder dem Cyclocross-Rad unterwegs.

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