Radfahren: Nichts für Paare?

Zu zweit mit dem Rennrad auf Tour

Bei gleichem Trainings-Aufwand und auch sonst übereinstimmenden äußeren Bedingungen ist ER auf dem Rennrad im Allgemeinen schneller unterwegs als SIE. Das kann zu Konflikten führen. Viele Paare verzichten deswegen auf gemeinsame Ausfahrten. Das muss nicht sein, denn es geht auch stressfrei zu zweit.

Zunächst einmal sollte die Route so gewählt werden, dass beide damit zurecht kommen. Und es sind klare Absprachen zu treffen. 

Ein schöner Anlass für Grundlagen-Training

ER kann IHR die "Arbeit" erleichtern, indem er vorneweg fährt und sie in den Windschatten nimmt. Im Windschatten fahren hilft ja bekanntlich, Energie zu sparen. So fährt ER mit leichter Anstrengung im Grundlagen-Bereich, während SIE - dank Energie-Ersparnis - entspannt in der zweiten Reihe fährt.

ER muss aufpassen, dass er nicht aus Versehen zu schnell wird. SIE meldet ihm zurück, ob sie mit der von ihm vorgegebenen Geschwindigkeit zurecht kommt. Da viele von uns die Tendenz haben, zu hart zu trainieren, ist das ein sehr schöner Anlass, wirklich einmal konsequent Grundlagen-Training zu praktizieren.

Windschatten geben und nutzen

Das Windschatten-Fahren setzt wie immer voraus, dass beide Beteiligte gut aufpassen. Wer vorne fährt, sollte nicht plötzlich die Geschwindigkeit verringern, und wer hinten fährt, muss darauf acht geben, was der Vordermann gerade tut, um bei Bedarf entsprechend reagieren zu können.

Leicht versetztes Hinterherfahren kann hilfreich sein, z. B. dann, wenn ER plötzlich bremsen muss. Jedoch sollte sich das Vorderrad des hinteren Fahrrads nicht auf einer Höhe mit dem Hinterrad des vorderen Fahrrads befinden. Denn wenn der vorn Fahrende plötzlich einem Hindernis ausweichen muss, besteht Kollisions- und somit Sturzgefahr.

Treffpunkt vereinbaren

Was, wenn der Stärkere aber doch einmal schneller fahren möchte? Oder wenn die Partnerin einen schlechten Tag hat und auch ein gemäßigtes Tempo nicht mithalten kann? Oder wenn die Geschwindigkeits-Differenz zwischen beiden generell zu hoch ist? Auch darauf kann man sich einstellen. So kann man zum Beispiel vorher einen Treffpunkt vereinbaren: ER fährt in seinem Tempo voraus und wartet an der abgesprochenen Stelle auf SIE, die entspannt in ihrem Tempo folgt.

Wurde es bei Fahrtbeginn versäumt, eine Absprache zu treffen, liegt es bei IHM, beizeiten einen Stopp einzulegen und zu warten. Der Stärkere hat immer die Möglichkeit, sich auf schwächere Mitfahrer einzustellen. Die Schwächeren stoßen naturgemäß an Grenzen, die sie nicht dauerhaft überschreiten können und aus gesundheitlichen Gründen nicht dauerhaft überschreiten dürfen.

Entgegen kommend

Eine weitere gute (vielleicht sogar die beste) Variante: Partnerin und Partner sprechen die Strecke vorher genau miteinander ab. Beide fahren in ihrem jeweiligen Tempo. ER kehrt irgendwann um, kommt IHR entgegen und fährt den betreffenden Teil der Strecke ein zweites Mal. So hat ER keine Pause, während Sie sich möglicherweise noch den Hügel vor dem Treffpunkt hochquält.

Das ist erheblich fairer, wie ich meine, und macht mir persönlich mehr Spaß als zu warten, weil ich gern bergauf fahre. Das verlangt auf IHRER Seite jedoch eine gewisse Souveränität. Empfindlicheren Naturen könnte es etwas ausmachen, wenn sie durch die Begegnung mit dem Schnelleren mit ihrer "Schwäche" konfrontiert werden.

Das Gegenteil von Formaufbau

Unterwegs sehen wir manchmal auch eine weitere Variante, die wir allerdings beide für absolut kontraproduktiv halten. Bei dieser Variante fährt SIE vorneweg, damit klar ist, wie schnell ER fahren darf, ohne dass es ihr zuviel wird.

Der Nachteil: Sie könnte sich getrieben fühlen und versuchen, ihm zuliebe schneller zu fahren, als es für sie gut wäre. Er dagegen ist - für seine Verhältnisse - trotzdem zu langsam unterwegs. Beide betreiben damit das Gegenteil von Formaufbau, wenn sie Pech haben...

Ich könnte auch SIE sein, und SIE wäre ER :-)

Die letztgenannte Möglichkeit praktizieren wir nie, die davor genannten Varianten dafür umso lieber. Es ist schön, zusammen loszufahren, sich zwischendurch immer 'mal wieder zu treffen und über die jüngsten Erlebnisse auf der Strecke auszutauschen und am Ende gemeinsam gut zu Hause anzukommen.

Die beschriebenen Möglichkeiten funktionieren bei jeder beliebigen Konstellation unterschiedlich starker Radlerinnen bzw. Radler, nicht nur bei Ehe- und sonstigen Partnern. Und das ist klar: Der Mann wäre in diesem Artikel die SIE, würde er z. B. mit einer durch- und austrainierten Profi-Radlerin fahren, und die wäre der ER...

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