Mallorca-Alternative: Hinterland der Costa Blanca

Rennrad-Ausfahrt,
 3er Gruppe,
 im Hinterland der Costa Blanca

830 Kilometer habe ich während unseres Rennrad-Urlaubs bei Denia im Osten Spaniens an der Costa Blanca mit dem Fahrrad zurückgelegt. Startort für die Touren war das küstennahe Els Poblets. Im Hinterland jenseits des Küstenstreifens findet man viele Straßen mit teilweise sehr wenig Autoverkehr. Somit ist die Region ein Super-Terrain für ungestörtes Rennrad-Training mit vielen Hügeln und Bergen. Mehr als 10.700 Höhenmeter kamen in dem zweiwöchigen Rennrad-Urlaub zusammen.

Die Anreise mit dem Flugzeug kann über die Flughäfen Alicante oder Valencia erfolgen. Wer sein eigenes Rad mitnehmen will, muss darauf achten, dass dies mit der gewählten Airline möglich und der Transport des Fahrrads zur Unterkunft kein Problem ist. Rennräder mieten kann man z. B. in Els Poblets.

Auch möglich: Anreise mit dem PKW

Wir haben es dieses Mal anders gemacht und uns 'was Besonderes gegönnt: Wir sind mit dem PKW angereist. So konnten wir entspannt unsere Rennräder mitnehmen. Zudem mussten wir uns nicht um einen Mietwagen bemühen. Warum tut man sich diese zweitägige Anfahrt an? Normalerweise steigt man ja in einer grauen, kalten, nassen Umgebung in den Flieger ein. Wenige Stunden später findet man sich zwischen Palmen im Süden wieder. Toll!

Aber interessanter ist es schon, wenn man während der Fahrt von Deutschland nach Spanien z. B. erleben kann, welche Vegetationszonen zwischen Start- und Zielort liegen. Wenn man die Fahrt schon als Teil des Urlaubs einplant, sich genügend Zeit dafür nimmt und das Ganze entspannt angeht, kann sie das „Sahnehäubchen“ der Aktion sein.

Nichts für Ungeübte: anspruchsvolle Steigungen

Schroffe Felsen begrenzen auch das Vall de Gallinera

Doch zurück zum Rennrad-Training an sich. Wenige Kilometer jenseits des Küstenstreifens wird es hügelig. Leichte Anstiege gibt es in der Gegend zwar auch, aber im Gesamteindruck dominiert doch, dass man es oft mit mittelschweren bis schweren Steigungen zu tun hat und dass steile Rampen und auch längere heftige Steigungen keine Seltenheit sind. Dazu gehören dann natürlich auch die entsprechenden Abfahrten, nicht selten in Serpentinen. Legendär ist die wunderschöne Abfahrt durch das Vall de Gallinera - kurvenreich, aber mit meist nur leichtem bis mäßigem Gefälle ein echter Genuss auf einer Strecke von gut 20 Kilometern, zumal auch hier die Verkehrsdichte gering ist - selbst am Wochenende mit einem dann allerdings leicht erhöhten Verkehrsaufkommen.

Brutal: gnadenlose Schinderei auf Brösel-Asphalt

Ich habe in dieser Umgebung jedenfalls radfahrtechnisch das Brutalste meiner bisherigen Radsport-Laufbahn erlebt. Ich spreche von dem Anstieg, der von der Straße CV-720 zwischen Benigembla und Castell de Castells rechts hinauf in Richtung Benimaurell führt: Hier überwinden wir auf einer Streckenlänge von sechs Kilometern an die 400 Höhenmeter. Rampen mit acht oder mehr als zehn Prozent sind hier keine Ausnahme, auch solche zwischen 12 und 16 Prozent sind in diesem Anstieg nichts Besonderes. Verschnaufen kann man während des ganzen Anstiegs eigentlich kaum – es sei denn, man nutzt die kurzen Zwischenabschnitte mit Steigungen um drei bis sieben Prozent zur Entspannung. Belohnt wird man für die gnadenlose Schinderei am Ende dann natürlich doch: Oben angekommen, genießt man einen eindrucksvollen Panoramablick hinunter zur Mittelmeerküste.

Belohnung für die Überwindung einer Extrem-Steigung mit dem Rennrad ist diese Aussicht.

Wer sich animiert fühlt, diese Steigung nachzufahren, sollte noch dieses wissen: Insbesondere im unteren Drittel ist das Sträßchen, auf dem wir uns hier bewegen, in extrem schlechtem Zustand (Fahrbahn-Aufbrüche, Löcher, weggefahrener oder zu Split zerbröselter Asphalt usw.). Manch einer mag es sogar für nicht rennradtauglich halten. Aber für uns ging es schon, zumal wir diese schlechte, steile Straße ja (langsam!) hinauf und nicht hinunter gefahren sind. Zumindest bei Trockenheit fand ich die Benutzung per Rennrad unproblematisch (und hier ist es eigentlich immer trocken...). Und weiter oben hat man dann ohnehin überwiegend einen brauchbaren Fahrbahnbelag.

Gute Straßen, rücksichtsvolle Autofahrer, angenehmes Rennrad-Wetter

Das gilt im Übrigen für die allermeisten Straßen in der Region. Insgesamt betrachtet, sind schlechte Fahrbahnen mit Rissen und Schlaglöchern die absolute Ausnahme. Die Straßen sind fast immer in einem guten bis sehr guten Zustand. Und die Autofahrer in der Region haben wir – wie schon die in anderen Teilen Spaniens – überwiegend als rücksichtsvoll und Rennradfahrer-freundlich erlebt. Wenn es nötig ist, fahren sie auch längere Zeit hinter einem Radfahrer her, um ihn wirklich erst dann zu überholen, wenn es gefahrlos möglich ist. Es gibt jedoch – wie überall - auch die Spezies Autofahrer, die sehr risikofreudig fahren (oft Touristen), so dass man auch hier auf der Hut sein muss.

Während unseres 14-tägigen Radurlaubs im Oktober lagen die Tagestemperaturen meistens bei 24 bis 28 Grad, an zwei Tagen wurden sogar die 30 Grad erreicht. Lediglich an eineinhalb Tagen gab es häufiger Regenschauer und starken Wind. Ansonsten war in diesen zwei Wochen Wind vorhanden und gut spürbar, aber er ist bei weitem nicht in dem Maß ein Thema für Rennradfahrer wie z. B. auf Lanzarote oder Fuerteventura.

Mittelgebirgslandschaft mit teilweise alpinem Charakter

Mit dem Rennrad in rauher Landschaft unterwegs - ein felsiger Berg

Ansonsten bewegt man sich hier in einer Mittelgebirgslandschaft mit Bergen, deren Höhe bis über 1.000 m reichen kann. Hier ist es dann oft auch deutlich kühler als in der Küstenregion, in der wir unsere Rennradtouren gestartet haben. Nicht wenige Streckenbereiche erinnern aus Sicht des Rennradfahrers – was z. B. Länge und Intensität der Steigungen und entsprechend auch den Charakter mancher Abfahrten betrifft – eher an alpine Verhältnisse.

Dazu trägt auch die an vielen Stellen felsig wirkende Umgebung bei. In dieser eher niederschlagsarmen Region ist eben nicht jeder Geländeabschnitt so dicht bewachsen, wie wir es aus den heimischen Mittelgebirgen kennen. Manches wirkt karger.

Landwirtschaft: Oliven, Kirschen, Zitrusfrüchte

Landwirtschaft mit Terrassenfeldern an den Hügeln

Das gilt natürlich nicht für die vielen Bereiche, in denen Obst und Gemüse angebaut wird. Oft finden sich an den Hängen terrassenförmig abgestufte Plantagen z. B. mit Olivenbäumen. Charmant – wenn man denn während der Fahrt mit dem Rennrad einen Blick dafür hat – ist im Herbst insbesondere in den höheren Lagen der Hauch von „Indian Summer“, der jetzt durch das gelb und rot gefärbte Laub der Kirsch- und anderer Bäume inmitten der ansonsten mediterranen Vegetation hervorgerufen wird.

Eine herausragende Rolle – insbesondere in den niedrigeren Lagen – spielt der Anbau von Zitrusfrüchten. Bei der Anfahrt aus dem küstennahen Els Poblets fanden wir an so manchem Morgen schöne Schleichwege durch Orangen- bzw. Mandarinen-Plantagen, die über asphaltierte Wirtschaftswege führten.

Unser Fazit: ein zusätzliches interessantes Ziel für's Rennrad-Training

Viele Rennradfahrer vergleichen die Verhältnisse, die sie hier antreffen, gern mit denen auf Mallorca. Dabei stellen sie dann zutreffend fest, dass es hier noch keinen so massenhaften Rennrad-Tourismus wie auf der Insel und an vielen Stellen weniger Autoverkehr gibt. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass es bei Weitem nicht die vielfältige Infrastruktur für Radsportler gibt wie auf Mallorca. Wer gern andere Rennradfahrer um sich hat, wird hier auch fündig - aber auf Mallorca sind es einfach viel, viel mehr, so viele, dass man sich den kurzen Rennradfahrer-Gruß irgendwann spart, weil man sonst aus dem Grüßen nicht mehr herauskommt.

Und der Charakter der Landschaft wurde zumindest von uns als weniger lieblich empfunden, so dass Mallorca nicht zuletzt auch aus diesem Grund für uns ganz sicher auch in Zukunft Ziel des einen oder anderen Radurlaubs sein wird. Wir freuen uns aber auch, dieses neue, zusätzliche Ziel in Ostspanien für uns entdeckt zu haben, das bestens für einen eher individuell gestalteten Rennrad-Urlaub geeignet ist und zudem mit dem – verglichen mit Mallorca – noch etwas besseren, weil stabileren Wetter aufwarten kann.

Ein Hauch von Indian Summer - bunte Blätter an Kirschbäumen

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Radreviere in Deutschland:

Rennrad am Baum lehnend

Die Landschaft ist zumeist flach. Bei entsprechender Planung sind am Niederrhein aber auch hügelige Touren mit dem Fahrrad möglich. Oft ist der Wind die Extra-Herausforderung bei der Radtour. Wir sind meistens mit dem Rennrad oder dem Cyclocross-Rad unterwegs.

Radfahren am Niederrhein: Flach & windig