Kann tödlich enden: Gefährliches Überholen von Radfahrern

Hoffentlich nicht nötig für überholte Radfahrer: Krankentransport-Fahrzeug

Unbedachtes, leichtfertiges Überholen von Fahrrädern, z. B. in oder vor Kurven, endet nicht selten tödlich. Wir haben einmal ausgerechnet, für wie wenig Zeitgewinn manche Autofahrer Kopf und Kragen von Radfahrerinnen und Radfahrern und natürlich auch juristische Konsequenzen für sich selbst riskieren.

Für Autofahrer kann ein missratenes Überholmanöver richtig teuer werden, bis hin zu zivil- oder sogar zu strafrechtlichen Konsequenzen. Und die Schuld am Tod eines anderen Menschen kann einen ein Leben lang verfolgen.

Dabei geht es doch eigentlich fast immer nur um wenige Sekunden Zeitgewinn, für das nicht wenige Autofahrer das Leben von Radfahrern (aber natürlich auch ihr eigenes) riskieren, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Beispiel 1

Wir sind dieses Mal die Autofahrer. Wir fahren zunächst 50, der Radfahrer vor uns ist ein Rennrad-Fahrer und mit ca. 30 km/h unterwegs.

Wenn wir jetzt 10 Sekunden mit seinem Tempo hinter ihm herfahren müssen, bis wir gefahrlos überholen können, kostet uns das 4 Sekunden. Müssen wir 20 Sekunden hinter ihm bleiben (die einem lang vorkommen), sind es entsprechend 8 Sekunden.

Beispiel 2

Wir sind außerorts mit dem Auto unterwegs, unser Tempo: 100 km/h. Es geht bergab. Der Rennrad-Fahrer hat ein Tempo von 55 km/h. 10 Sekunden in seiner Geschwindigkeit hinter ihm her zu fahren kostet uns 4,5 Sekunden.

Beispiel 3

Jetzt ist der Radfahrer kein Rennradfahrer, sondern ein durchschnittlicher Radler auf einem Trekkingrad. Er fährt in der Ebene 18 km/h, wir bremsen ab und fahren in der Ortschaft 10 Sekunden hinter ihm her. Selbst das kostet uns nur 6,4 Sekunden, wenn wir 50 km/h als Innerorts-Geschwindigkeit annehmen.

Da ist ein Fahrrad. Das musst Du überholen. Oder?

Übrigens: Viele Radfahrer sind insbesondere in der Stadt ebenso schnell oder sogar schneller als die sie umgebenden Autos.

In solchen Fällen kennt man als Radfahrer Situationen wie diese: Man fährt z. B. 30 oder 40 km/h. Nur wenig weiter vorne befindet sich eine Auto-Kolonne, die etwas langsamer ist oder sogar steht.

Und von hinten nahende Autofahrer überholen den Radfahrer mit aufheulendem Motor. Kurz vor Erreichen der Kolonne bremsen sie dann scharf, um gleichzeitig wieder einzuscheren und den Radfahrer dabei zu schneiden.

Irgendwo muss sich etwas im menschlichen Hirn abspielen, das einem etwas sagt wie: "Da ist ein Fahrrad, das musst Du überholen."

Keine Abzockerei, sondern selber schuld.

Dem liegt möglicherweise ein ähnliches Phänomen zugrunde wie dem dauernden Linksfahren auf der Autobahn, wenn irgendwo, ganz weit weg, ein LKW in Sicht ist, der im weiteren Verlauf vielleicht "stören" könnte. Nein, man muss einen Fahrradfahrer nicht nur deswegen überholen, weil er eben ein Fahrradfahrer ist.

Der Spritverbrauch erreicht bei scharfem Beschleunigen kurzzeitig Werte zwischen 20 und 40 Litern auf 100 km. Und übrigens: In einer städtischen Tempo 30-Zone wird man als Autofahrer bei einem Überhol-Manöver wie dem beschriebenen leicht so schnell, dass es locker für den Führerschein-Entzug reicht.

Das ist dann garantiert keine Abzocke, sondern bestenfalls dumm gelaufen.

Äh - nein: Ehrlich gesagt finde ich, es wäre dann gut gelaufen.

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