Gefährlich: rücksichtsloses Überholen mit dem Auto auf schmaler Straße

Schmale Straße in der Sonsbecker Schweiz,
 Symbolbild

Wir sind unterwegs auf unserer Abendrunde. Die Runde führt großenteils durch Felder und Wälder, auf asphaltierten Sträßchen, meist nur 2,50 bis 3,00 m breit. Hier fahren nur wenige Autos, und die meisten Autofahrer/innen verhalten sich verantwortungsvoll. Aber dieses Mal wird es an einer Stelle richtig gefährlich.

Die Straßenbreite liegt aktuell bei ca. 2,80 m. Wir hören ein Motorgeräusch von hinten. Es kommt schnell näher, so schnell, dass wir intuitiv an den äußersten rechten Rand fahren. Das machen wir normalerweise nie, denn wir wollen niemanden in risikoreicher Situation zum Überholen animieren.

Aber leider folgen wir dieses Mal der Intuition: Der Gefahr ausweichen, indem wir nach rechts fahren - für verantwortungslose Autofahrer auch auf einer so engen Straße immer eine gern angenommene Einladung zum Überholen.

Sicherheitsabstand eines Kamikaze-Fahrers

Die Breite eines "normalen" PKW inklusive der Außenspiegel liegt heute sehr oft bei etwas mehr als zwei Metern. Ein Radfahrer benötigt, wenn wir nach der Lenkerbreite gehen, bis zu 70 oder 80 cm Platz.

Wir haben keine Zeit, noch groß darüber nachzudenken, denn schneller als erwartet ist es so weit: Mit geschätzten 90 bis 100 KM/H zieht der PKW haarscharf an uns vorbei - eine für diese schmale Straße unerhört hohe Geschwindigkeit.

Wir sind heute mit dem Rennrad unterwegs und somit etwas weniger breit. Dieses bisschen weniger Breite entspricht in etwa dem "Sicherheitsabstand", den uns dieser Kamikaze-Fahrer lässt.

Einfach nur Glück, dass wir noch am Leben und unversehrt sind

Wir haben einfach Glück, dass der Fahrer gut zielt und uns so eben nicht berührt und vom Rad holt. (Ja, meistens sind es Fahrer und nicht Fahrerinnen, die so etwas machen ...)

Was, wenn wir auf der schmalen Waldstraße auch nur einen kleinen Schlenker nach links gemacht hätten? Der PKW hätte uns erfasst, wir wären gestürzt, vielleicht hätte er uns auch noch überfahren.

Und unvorhersehbare Gründe für einen Links-Schlenker kann es genug geben - von plötzlichem Druckverlust in den Reifen über ein Schlagloch, das erst spät zu erkennen ist, bis hin zum Wild, das plötzlich aus dem Wald kommt.

Das war ihm wohl egal: 1,50 m Mindestabstand beim Überholen von Fahrradfahrern!

Deswegen muss beim Überholen eines Radfahrers ja auch immer ein Sicherheitsabstand eingehalten werden. Ist dies - etwa wegen Gegenverkehrs oder zu geringer Fahrbahnbreite - nicht möglich, muss der Autofahrer eben so lange abwarten, bis ein gefahrloses Überholen mit ausreichendem Sicherheitsabstand möglich ist.

Als Sicherheitsabstand wird in der Rechtssprechung ein Abstand von mindestens 1,50 m angenommen, bei hoher Geschwindgkeit sogar zwei Meter. Der Fahrer des KFZ hätte uns hier also eindeutig nicht überholen dürfen.

Fehler: Kaum Abstand nach rechts

Normalerweise sind wir in unserer ländlichen Umgebung mit mindestens 50 cm Abstand zum rechten Fahrbahnrand unterwegs. Wären wir in der geschilderten Situation mit ausreichendem Abstand zum Fahrbahnrand gefahren, statt intuitiv ganz nach rechts auszuweichen, hätte selbst ein Autofahrer wie dieser hier nicht überholt, und sei es auch nur aus Angst um sein heilix Blechle. Das Überholen hätte sich aus Platzmangel eindeutig von selbst verboten.

Diesen Fehler werden wir nicht noch einmal machen, das ist sicher. Das nächste Mal halten wir unseren Sicherheitsabstand zum Fahrbahnrand auch dann, wenn uns die Intuition etwas anderes nahelegen will. Defensives Fahren ist gut, zu defensives Fahren kann lebensgefährlich sein.

Der Autofahrer hätte nur ein paar Sekunden Geduld haben müssen. Wir hätten ihn natürlich bei der nächsten passenden Gelegenheit passieren lassen, das ist doch wohl klar, allein schon, um Ruhe und diese Type nicht länger als nötig um uns bzw. hinter uns zu haben.

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